„Wenn Jemand eine Reise t(h)ut, so kann er was erzählen“ – Und wenn gleich zwei eine Reise unternehmen, dann gibt es gleich doppelt so viel zu berichten. Aber von vorne: Für unseren Verein sollten und wollten wir uns nicht auf unseren Lorbeeren ausruhen, sondern neue Erfahrungen sammeln und so zum Fortschritt aller hier in Niesky beitragen. Mit diesem Gedanken plante unser Vorstand unter der umsichtigen Leitung von André über mehrere Monate eine zweite Fortbildungsreise nach Frankreich. Aufgrund der guten Erfahrungen aus dem letzten Jahr bewarben wir uns zum zweiten Mal bei dem Programm Erasmus+ Sport der Europäischen Union. Nach der glücklichen Zusage galt es, mit einer für uns passenden Partnerorganisation in Frankreich zusammenzuarbeiten, um unser Vorhaben in die Tat umzusetzen. Als unser Gastgeber bot sich der Karate-Klub der Universität Reims an, der auf über mehr als fünfzig Jahre Erfahrung zurückgreifen kann.
Nach all diesen Vorbereitungen konnten wir dann endlich voller Vorfreude vom 25. bis 29. März 2026 in jene Stadt reisen, in die in früheren Zeiten angehende französische Könige für ihre Krönung einzogen – nach Reims in der Champagne. Anders als die feudalen Herrscher wollten wir dort jedoch bei der Trainingsplanung und -durchführung unserer Gastgeber hospitieren, an einem mehrtägigen Karate-Lehrgang teilnehmen und uns mit ehrenamtlichen Übungsleitern aus ganz Frankreich und Belgien fundiert austauschen. So lautete der Plan.
Diverse Zugverspätungen und dadurch verpasste Anschlüsse konnten unsere Anreise nicht aufhalten, denn wir waren clever genug, um besonders zeitig aufzubrechen. Am Ende trafen wir wie erhofft pünktlich ein, und wurden unmittelbar freudig von unseren Mentoren in Empfang genommen. Ohne Umschweife besprachen wir noch am selben Abend alle unsere Programmpunkte und beredeten bis in die Nacht viele Aspekte unseres Karate.
Nach einer kurzen Nacht durften wir uns – auch auf meinen Wunsch hin – am Donnerstagvormittag mit der Nutzung von digitalen Lehr- und Lernproben im und für das Karate-Training befassen. Diese Einsichten faszinierten mich und am liebsten würde ich noch mehr Informationen darüber erhalten. War der Vormittag noch kühl und verregnet, kämpfte sich am Nachmittag die Sonne mit gutem Timing durch die Wolken und ermöglichte uns einen aufschlussreichen und intensiven Ausflug zu einem öffentlichen Park mit erstaunlich guten Trainingsgeräten- und möglichkeiten.
Am Freitag nahmen die Vorbereitungen für einen speziellen Karate-Lehrgang an den folgenden drei Tagen Fahrt auf, die wir freundlicherweise beobachtend begleiten durften. Zum Lehrgang selbst, der dann am Abend begann, waren ehrenamtliche Engagierte aus Frankreich und Belgien angereist. Wir hatten das große Vergnügen u. a. ein im Karate eher ungewöhnliches Trainingsformat kennenzulernen, bei dem eine Gruppe gedrittelt und in jeweils anderen Aspekten ein und desselben Trainingsziels unterwiesen wird. In unserem Fall drehte sich alles um den korrekten und gesunden Einsatz im Karate, begonnen im Block A (Gruppe A) mit Übungen im Stehen, gefolgt von Block B als Partnertraining unter Zuhilfenahme eines Übungsgeräts, nämlich eines langen Holzstabs, und schließlich im Block C als bewegte Soloübung. Am Ende führte diese Herangehensweise zu einem wirklich verbesserten Verständnis bei den Teilnehmenden. Weil das ein wirklich gänzlich neuer Ansatz für uns war, wäre es wünschenswert, diesen in Zukunft vertiefen zu können.
Veranschaulicht wurde ebenfalls eine erfüllende Maßnahme zum „Teambuilding“, was für einen Verein wie den unseren bedeutsam ist. Diese wirkt sich positiv auf das Karate-Training in der Gruppe, in der es um verschiedene wichtige Aspekte der Distanz im Karate ging, und den Zusammenhalt (die positive Energie) jenseits der Sporthalle aus. Letzteres kam uns gelegen, als wir immer wieder sehr lehrreiche Diskussionen mit den französischen und belgischen Karateka führten.
Erschüttert stellten wir am Sonntag fest, wie schnell die Zeit vergangen ist, während wir unsere Köpfe mit neuen Einsichten füllten, unsere Körper schulten und neue zwischenmenschliche Kontakte knüpften. Nach unserem bewegenden Abschied von unseren fantastischen Gastgebern und mehr oder weniger holpriger Heimreise, wollen nun unsere restlichen Mitglieder in Niesky an unseren wertvollen Erfahrungen aus Frankreich teilhaben und sie in die hiesige Vereinsarbeit einfließen lassen. Herzlichen Dank an Erasmus+ Sport für die freundliche Förderung und an all jene, die dieses Vorhaben ermöglichten! (Henning)
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