Auch dieses Jahr, genauer am 20., 21. sowie dem 22. September 2024, wurde uns das Vergnügen zuteil, unsere langjährigen französischen Freunde Bernard und Gladys Mathieu bei uns in Niesky begrüßen zu dürfen. Ein ganzes Wochenende wurden wir wieder Teil eines ausgefeilten Trainingsplans mit anschaulichen Übungen, welche sowohl für unsere Anfänger als auch Fortgeschrittenen Übungsstoff boten.
Am Freitag versammelten wir uns alle vor der Sporthalle in Niesky, in welcher wir üblicherweise trainieren. Aufgrund eines Missgeschicks seitens der Stadtverwaltung stand uns diese für diesen Abend doch nicht zur Verfügung. Dank Andrés Einfallsreichtum fand sich aber eine Ausweichmöglichkeit. In einer Fahrkolonne fuhren wir kurzerhand nach Nieder Seifersdorf, um in der dortigen Turnhalle das erste Training abzuhalten. Hier zeigte sich bereits das Interesse am Lernen und gemeinsamen Üben, denn diese wurden mit Neugierde aufgenommen und mit Tatendrang praktiziert. Nach dem Training traf sich ein Teil noch zum gemeinsamen Abendessen „Bei Sonntags“.
Der Samstag brachte für zwei unserer Mitglieder einen besonderen Moment mit sich, denn sie erreichten den 3. Dan, den beide von Henning und Bernard anerkennend verliehen bekamen. Herzlichen Glückwunsch an euch beide! Zum Mittag wurde wieder gegrillt, und dank Andrés und Ricos Gespür wurde der Grill rechtzeitig angefeuert, um alle sechzehn Teilnehmer adäquat und zeitgerecht mit Grillgut zu versorgen. Dank unserer Mitglieder, welche obendrein Kuchen und Salate zum gemeinsamen Mittag beisteuerten, konnte sich jeder an einem reichen Angebot bei einem angenehmen, zum Herbst übergehenden Wetter unter anregender Atmosphäre und guten Gesprächspartnern, satt essen. Abends wurde der kulturelle Austausch in Görlitz bei indischem Essen fortgeführt.
Der Lehrgang an sich war nicht nur von tollen Momenten geprägt, sondern auch von einem anspruchsvollen Trainingsprogramm, welches uns viele neue Impulse gab. Bernard und Gladys vermittelten uns zentrale Aspekte von Technik und Körpergefühl, die mit den Übungen entsprechend vertieft werden konnten.
Als Kata wurde dieses Jahr Heian Godan zu Beginn, zwischendrin und am Ende der Übungsstunden durchgeführt. Die entspannte Schulter, verbunden mit dem „schweren Ellbogen“ und dem „Vor-vor-vor-Gefühl“ des Unterarms, welche alle in unserer Technik wieder zu finden sind, sind mir bei den Übungen vor allen als ein Thema ins Auge gefallen. Hinzukommend auch der korrekte Abstand sowie das entsprechende Timing bei Angriffsannahmen, welches auch vor zwei Jahren ein wichtiger Punkt im Lehrgangsinhalt war. In Verbindung mit der richtigen Koordination aus Bein, Rumpf und Arm führt dies zu unserer einzigartigen Technik, sowohl bei Angriffen als auch bei Angriffsannahmen. (Hierbei ist natürlich zu erwähnen, dass weitere Punkte zu beachten sind.) Begleitet wurde der Stoff von bildhaften Beschreibungen zum Körpergefühl sowie Anekdoten und Geschichten aus anderen Lehrgängen und Übungsstunden, welche Bernard und Gladys führten und an denen sie teilnahmen.
Zum Sonntag hat Bernard auch eine interessante Methode zum „Rumpfen“ während des Oi-Zuki erklärt, welche wir auch übten. Interessant war für mich, dass bei der Auswahl der Übungen, wie oben schon erwähnt, sowohl Anfänger als auch Fortgeschrittene den individuell bekannten Wissenstand nutzen und darauf aufbauend an der eigenen Technik feilen konnten. Aus Sicht eines Hospitierenden war dies eine interessante Erfahrung, sowohl aus Karatetechnischer als auch didaktischer Sicht. Dennoch habe ich selbst den Eindruck, dass ich den Einsichten, welche ich gewinnen konnte, in der Kürze des Textes gegenüber des vermittelten Stoffs sowie der vermittelten Erfahrungen nicht gerecht werden kann. Gegen Ende des Sonntagstraining konnte ich bei allen erschöpfte, aber glückliche Gesichter sehen, was nur durch den Umstand, dass das Training so schnell zu Ende war, getrübt wurde. Es zeigte sich wieder, wie viel Tiefe im Karate steckt und wie lohnenswert es ist, an den kleinen Details zu arbeiten.
Ein großes Dankeschön geht an alle, die das Lehrgangswochenende möglich gemacht haben – sei es durch Organisation, tatkräftige Unterstützung und Vorbereitung, der Nachbereitung, der Zubereitung von Salaten und Kuchen oder der regen Teilnahme, sowie an Gladys und Bernard für einen unvergesslichen Herbstlehrgang. (Phillip)
Tadaaa - es war Gasshuku dieses Jahr.
Wen das verwundert, der kann sich vermutlich nicht die Motivation vorstellen, die eine kleine Gruppe Karateka am grauenden Morgen des 25. Juli 2024 vereinte. Nach einer Irrfahrt durch die Königs Wusterhausener Bahnhofsbaustelle zogen sechse zwar nicht durch die ganze Welt, sondern sogar zum Jugendbildungszentrum Blossin am Wolziger See im schönen Brandenburg. Dort durfte der Aerobicraum sich seit langer Zeit (nur wenige werden sich an dieses denkwürdige Ereignis erinnern) erneut über vier Tage hinweg an unserer Anwesenheit erfreuen (was er allerdings nicht tat, wie wenig später berichtet werden wird).
Nachdem uns der erste Tagesordnungspunkt bereits einen Vorgeschmack auf die kommenden kulinarischen Köstlichkeiten inklusive mehr und weniger freundlichem Küchenpersonal gegeben hatte, zogen wir zufrieden ins eben erwähnte Spiegelkabinett. Dadurch konnten wir in den nächsten Tagen die kleinen und klitzekleinen Fortschritte des wie jedes Jahr bis ins Detail durchdachten Trainings in geringem Maße ebenso optisch verfolgen.
Ergänzt wurden diese praktischen Erfahrungen in diesem Jahr durch theoretische Vorträge über „Karate, Gesunderhaltung und Langlebigkeit“ sowie die „Lehre von Harada Mitsusuke“, die auch im Nachhinein für reichlich Gesprächsstoff sorgten. Und während wir uns an den Vormittagen in der Auseinandersetzung mit der Kata Jitte und darüber hinaus befanden, hielten die Nachmittage Einblicke in Tori-Te, Sai-Jutsu sowie Tachi-Dori und Bō-Dori für uns bereit.
Der Entspannung des samstaglichen Trainings wurde jedoch jedmögliche Aufregung entgegengesetzt. Nachdem bereits bei Volleyballspiel viel Blut verloren wurde, schien der Aerobicraum allen Anstand vergessen zu haben, um uns möglichst unbequem zu verabschieden. Denn da im „Gästehaus 2“ die Gegenbenheiten einer Gesprächsrunde zum Thema „Karate und Spiritualität“ gänzlich fehlten, wurde dafür diese Lokalität ausgelotet. Leider ließ uns ein lautstarker Signalton (über dessen Ursprung ohne Unterlass, aber ohne Erfolg gemunkelt wurde) zugunsten frischer Luft bald das Weite suchen. Dem vielmehr lauten als lauschigen Plätzchen blieben wir allerdings auch nur treu, bis uns blutsaugende Säuger und die Dunkelheit freiwillig auf die harten Holzbänke unseres Flures flüchten ließen. Von dort konnte uns sogar die Security nicht mehr vertreiben, bis wir selbst mit vielen gefühlten sowie gedachten Erinnerungen und Erkenntnissen zur Regeneration übergingen.
Sonntagmorgen schien selbst der Himmel über unsere baldige Abreise zu weinen, weshalb wir für die allmorgendlichen Bokutō-Übungen vor dem Regen unter dem bereitstehenden Sonnensegel Zuflucht suchten. Dieser ließ leider bis zum Beginn der Mittagspause nicht nach, was uns jedoch nicht davon abhielt, den todesmutigen Sprung in das nun noch nässere Nass des Sees zu planen (dieser Plan wurde selbstverständlich nach Ende der Beratungen ausgeführt).
Zum krönenden Abschluss konnten Henning und Philipp uns nach wochenlanger kräftezehrender Vorbereitung „Kumibō 2“ präsentieren, was damit in die Chroniken von „Nippon Niesky“ eingehen wird.
Das Ende ist schnell erzählt und trotzdem tragisch: Das Gasshuku ging erneut zu Ende. Ein mächtig gewaltiges Dankeschön gebührt der Organisation dieses gelungenen Gasshuku! Ich bin sicher, für alle Teilnehmenden sprechen zu können, dass wir uns bereits auf das nächste Jahr freuen, wenn es wieder einmal heißt: „Es ist Gasshuku ...“ (Sophie)
Traditionell im Frühjahr lädt der 1. Nieskyer Karateverein „Nippon Niesky“ e. V. zu seinem Stock-Lehrgang mit Henning Wittwer ein. So war es nicht verwunderlich, dass das Haus – oder besser die Halle – am Wochenende des 17. & 18. März 2024 wieder voll war. Vom Schwarzwald über den Thüringer Wald bis hin zum Spreewald kamen unsere Gäste, manche schon zum wiederholten Male, um Stocktechniken zu lernen und zu vertiefen.
Auf dem Plan standen die im historischen Shōtōkan gelehrten Stock-Kata Shūji no Kon und Matsukaze no Kon sowie Partnerübungen und geschichtliche Erläuterungen. Doch bevor es losging, sorgte die traditionelle Erwärmung mit Bō-Koguri (Drunter und Drüber mit dem Stock) wahlweise für Schmunzeln oder angestrengte Gesichter bei den Teilnehmern. Die anschließende Kata-Übung zielte nicht nur auf das Erlernen oder Auffrischen der Abläufe ab, sondern bot die Chance, die einzelnen Bewegungen gewissenhaft zu studieren und das richtige Körpergefühl zu finden.
In spannenden historischen Exkursen erläuterte uns Henning u. a., warum es kein Widerspruch ist, dass wir als Leere-Hand-Ausübende heute mit dem Stock trainieren. Einer von mehreren Gründen ist, dass Bō-Waza ausdrücklich zum Lehrgebäude Funakoshi Gichins gehörten, auch wenn das Wissen darum in den vergangenen Jahrzehnten größtenteils verlorengegangen ist. Deshalb werden in unserem Verein nicht wie anderswo Stocktechniken als eigenständiges Zusatztraining ausgeübt, sondern ins regelmäßige Training integriert.
Neu war in diesem Zusammenhang für alle Teilnehmer die Präsentation eines Shōtōkan-Wappens aus den 1930er-Jahren, das die untrennbare Verbindung von Waffen und Leere-Hand-Techniken in Funakoshi Gichins Karate darstellt.
Dass das Partnertraining mit dem Stock sehr vielfältig ist, wussten wir bereits aus den vergangenen Bō-Lehrgängen. Henning zeigte uns, dass dabei Stock gegen Stock, Leere Hand gegen Stock oder auch Stock gegen andere Waffen wie beispielsweise Bokutō oder Bajonett zum Einsatz kommen kann. Leider musste die geplante „Sandkastenübung“ aufgrund von plötzlich einsetzendem Regenschauer ausfallen.
Die abwechselnde Mischung aus Einüben und Verbessern der Soloformen, geschichtlichen Fakten, historischem Bildmaterial sowie Partnertraining mit dem Bō ließ keine Langeweile aufkommen und sorgte für zwei prall gefüllte, abwechslungsreiche Lehrgangstage.
Trotz des Wetters trafen wir uns Samstagabend wie immer zum gemütlichen Beisammensein bei Pizza und Karate-Anekdoten.
Vielen Dank an alle Mitglieder, die im Vorfeld so fleißig organisiert und den Lehrgang wieder zu einem Höhepunkt im Vereinskalender gemacht haben. (Antje)
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