Die leere Hand ist die Wurzel aller Kampfkünste – unser Shōtōkan-Stock-Lehrgang 2019 mit Henning Wittwer

Am ersten Märzwochenende begrüßte unser Verein eigene Mitglieder sowie wie im letzten Jahr zahlreich aus der Fremde erschienene Gäste zum von Henning geleiteten Stocklehrgang 2019. Zwei Kata bildeten dabei den Schwerpunkt: die grundlegende Shūji no Kon für „Gruppe A“ und die fortgeschrittene Sakugawa no Kon für ebenso fortgeschrittene Übende mit dem Stock in „Gruppe B“. Für unsere Mitglieder lag der Fokus dabei auf drei wesentlichen Punkten:

  1. dem Erlernen und Festigen des Ablaufs der jeweiligen Kata,
  2. dem Übertragen und Anwenden der im wöchentlichen Training gelernten Körperstruktur auf das Waffentraining,
  3. Partnerübungen, um die in den Kata vorkommenden Bewegungen anzuwenden und deren Sinn zu verstehen.

Der Ablauf sollte dabei nicht stumpfsinnig durchgegangen werden. Wert gelegt wurde auf korrekt ausgeführte Bewegungen.

 

Die Übertragung der Bewegungen der „leeren Hand“ auf Bewegungen mit dem Stock ist ebenso in die andere Richtung zu sehen. Durch Waffentraining macht man nicht plötzlich eine andere Kampfkunst, sondern es gehört zum Karate genauso wie die „leere Hand“, dementsprechend kann eine Stock-Kata so geübt werden wie eine „leere-Hand“-Kata.

Bei den Gästen aus anderen Vereinen betonte Henning, dass sie sich nicht unsere Stände und Bewegungsarten aneignen müssen, sondern sie die Übung mit dem Stock so vollführen sollten, dass es in ihr individuelles Training passt, eben nicht parallel trainiert wird, sondern ergänzend.

Die Partnerübungen beinhalteten zum Großteil das Verteidigen mit dem Stock gegen Stockangriffe durch Anwenden bestimmter Bewegungen aus der jeweiligen Kata. Dabei wurde meistens von Idealsituationen ausgegangen, nämlich ein Angriff des Partners und das schlagende oder werfende Verteidigen. Im Laufe des Wochenendes zeigte Henning Möglichkeiten, wie man einem sich anpassenden und gegensteuernden Gegner entgegensteuernd begegnet und sich seinen Druck zunutze macht (Henka). Der Sinn liegt darin, Bewegungen der Kata nicht nur anzuwenden, sondern sich auch notfalls veränderten Umständen anzupassen. Als höchste Form der Verteidigung übten wir auch unbewaffnetes Abwehren gegen gegnerische Stockangriffe (Bō-Dori).

In theoretischen Abschnitten wurde uns die Herkunft der Kata, die Zusammenhänge zwischen „leerer Hand“ und Waffentraining, die Veränderung der Bedeutung des Stockes im Shōtōkan mit fortschreitender Zeit und die mögliche Eingliederung des Stockes in das Shōtōkan-Lehrgebäude erklärt.

Abseits des Trainings beschlossen viele Teilnehmer die Mittagspause und ein gemeinsames Abendbrot in der Pizzeria mit uns zu verbringen. Mittags erlagen viele, aber längst nicht alle, den kulinarischen Genüssen des örtlichen Asia-Imbisses; abends im Restaurant staunten wir über einen für kaum möglich gehaltenen hohen Geräuschpegel vom Nachbartisch. Wie schon im letzten Jahr haben die zahlreich angereisten Mitglieder der Bedeutsamkeit des Lehrgangs, aber auch den Restaurants und Herbergen und damit der Wirtschaft Nieskys gut getan. (Rico)