Herbstlehrgang mit Gladys und Bernard Mathieu in Niesky

Bevor sich das erste Viertel dieses Jahrhunderts gänzlich seinem Ende zuneigt, sorgten wir noch für einen sinnstiftenden Karate-Moment: Wir luden Gladys und Bernard Mathieu aus Reims, Frankreich, mit der Bitte zu uns nach Niesky ein, hier vom 26. bis 28. September 2025 unseren Herbstlehrgang zu leiten. Bernard Mathieu – für jene, die es nicht wissen sollten – folgt seit über sechzig Jahren dem Weg des Karate, und zwar von Anfang an als Schüler von Mitsusuke Harada (1928–2021). Damit verfügt er über eine geballte Ladung an Wissen und Können, an der er uns nach eigener Aussage gerne teilhaben ließ. Sowohl für unsere ehrenamtlichen Übungsleiter als auch für unsere jüngeren Mitglieder bot sich so eine günstige Gelegenheit, die sie am sprichwörtlichen Schopfe zu greifen wussten.

Nachdem wir die Mathieus am Freitag von ihrem pünktlichen Flug abgeholt hatten und gerade motiviert in unsere erste Übungseinheit von 17:30 bis 19:30 Uhr starten wollten, stellten sich uns zwar keine Moiren entgegen, wohl aber eine nicht sonderlich freundliche Dame, die behauptete, wir dürften die von uns bereits vor Monaten gemietete Halle nicht betreten. Zu unserem großen Glück vermochte es André in Windeseile, eine geeignete Übungsstätte im benachbarten Jänkendorf aus seinem Ärmel zu schütteln. Unser Dank dafür gilt dem zuvorkommenden Bürgermeister jener Gemeinde. Unsere Gäste schienen diesen etwas holprigen Auftakt ins Karate-Wochenende zum Glück gelassen aufgenommen zu haben. Und so legten wir dann doch noch mit vielerlei Übungen für entspannte und wirksame Karate-Techniken los, die wir mit immer wechselnden Partnern durchführten. Danach galt es diesen entspannten, aber nicht „leeren“ Körperzustand mittels Heian Shodan zu vertiefen. Um unsere teilweise leeren Mägen wieder aufzufüllen, begaben wir uns schließlich zum Abendessen in ein Nieskyer Wirtshaus, wo wir uns mit den Mathieus über alle möglichen Karate-Themen austauschten.

Fleißige Helfer sorgten am frühen Samstagmorgen für eine halbwegs saubere Turnhalle, in der es ab 10:00 Uhr mit der nächsten Einheit weiterging. Sie schloss sich thematisch nahtlos an das freitägliche Training an und baute schrittweise darauf auf. Bernard ging auf die Frage des Rumpfeinsatzes in unserem Karate ein und verhehlte dabei nicht, dass diese eine nicht immer gut verstandene und umgesetzte Herausforderung darstellt. Doch mit einer gelungenen Mischung aus Vorführung, Erläuterung und Fühlen-Lassen vermochte er es, sie allen unseren Teilnehmern näherzubringen. Neben mannigfaltiger Partnerarbeit, die wir z. T. mit Bokutō durchführten, übten wir auch die Kata Heian Yondan.

Für die Mittagspause hatten wir Sonnenschein mit milden Temperaturen bestellt und abgeholt, um launig gemeinsam zu grillen. All jenen, die dafür Weinbeeren aufspießten, Brot buken, Nudelsalat herrichteten, einkauften und Feuer anfachten, sei dafür nochmals gedankt! Unter dem Vorwand des kulturellen Austauschs wurden schließlich Schlesische Mohnklöße als regionale Spezialität serviert. Derart gestärkt nahmen wir die Anstrengungen der dritten Einheit mühelos in Kauf und wurden so mit weiteren wichtigen Einsichten in technische Feinheiten belohnt: Im Kumite galt es nun mit weiterhin entspanntem Körper Tsuki zum Kopf oder zum Bauch anzunehmen und den jeweils Zustoßenden auf diese Weise an Folgeangriffen zu hindern.

Mit ähnlicher Begeisterung wie im Training selbst, fuhren wir dann abends Richtung Görlitz, um nach erwartbaren Parkproblemen im dortigen indischen Restaurant zusammen den Tag bei guten Speisen ausklingen zu lassen. (Wobei, „niemand“ möchte nörgeln: Aber weshalb gab es da nur noch ein veganes Gericht!?) Jedenfalls wollte an jenem Abend das gesellige Fachsimpeln über Karate und verwandte Sachverhalte kaum ein Ende nehmen.

Ein wenig müde, jedoch noch immer voller Eifer versammelten wir uns am Sonntagmorgen für unsere leider schon letzte Einheit. Bernard baute auf dem Stoff der Vortage auf und ließ uns Jiyū Ippon-Gumite üben, bei dem es um das kalte Niederwerfen des Partners ging. Selbstverständlich waren hierfür entspannte Bewegung, nüchternes Lesen des Gegenübers und viele weitere von Bernard herausgestellte Punkte von Bedeutung. Nach einigen abschließenden Runden Heian Yondan endete unser Herbstlehrgang, jedoch nicht ohne dem Wunsch Ausdruck zu verleihen, ihn im nächsten Jahr wiederholen zu wollen.

Ach so, ähnlich wie am ersten Tag wollte das Schicksal ein zweites Mal nicht so wie wir wollten, was dazu führte, dass wir unsere Gäste nicht am hiesigen Bahnhof verabschieden durften, sondern sie nach Cottbus fahren mussten, damit ihnen ihr Flugzeug nicht davonflog. Vielen Dank an Gladys und Bernard Mathieu für all die Mühe! Maßgeblich für die erfolgreiche Durchführung unseres Herbstlehrgangs verantwortlich war eine freundliche Förderung der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt, für die wir uns an dieser Stelle herzlich bedanken. Danke schließlich auch an alle, die vorher, mittendrin oder nachher aktiv mithalfen! (Henning)


Unser 22. Gasshuku am Werbellinsee

Mit Flöte, Geige und Akkordeon … ääh … mit Sanjaku-Bō, und Bokutō machten sich neun Karateka auf den Weg zum diesjährigen Gasshuku am Werbellinsee in Brandenburg. Thema des Trainingslagers: den richtigen Karate-Körper herstellen.

Donnerstag, 24. Juli 2025: Die Körperstruktur

Nach der langen Anreise und einem kurzen Frühstück ging es auch schon los mit dem Training. Ten no Kata zum Einstieg, um erst einmal warm zu werden und die Anspannung der Autofahrt zu lösen. Was uns zum Thema der kommenden Tage brachte, der richtigen Körperstruktur im Karate. Hier brachte uns ein Vergleich von Muskeln und Pflanzen eine interessante Erkenntnis: Wie sich die Triebe und Wurzeln von Pflanzen durch die Erde ranken, so „ranken“ sich beim Einstellen der richtigen Struktur auch unsere Muskeln durch den Körper fort. Mit anderen Worten müssen die Muskeln kontinuierlich „geknetet“ werden, verbunden mit einer geraden und entspannten Haltung. So weit so gut die Theorie, aber wie wir wissen, in der Praxis nicht immer ganz einfach umzusetzen. Deshalb tasteten wir uns an diesem Vormittag mit unterschiedlichen Übungen an das Thema ran.


Der Nachmittag stand dann ganz im Zeichen von Gyaku-Te – der verdrehenden Handtechniken. Die präzise und wirksame Ausführung dieser Techniken forderte uns gleichermaßen auf körperlicher und mentaler Ebene. Am Abend wurde es spannend beim Thema Zenshin: Wir beschäftigten uns mit der Rolle von Intuition und Angst im Selbstschutz und wie wir sie für unseren Selbstschutz nutzen können.


Freitag, 25. Juli 2025: Neue Perspektiven

Der Freitag begann mit unserer morgendlichen Bokutō-Übung am Ufer des Sees. Am Vormittag widmeten wir uns der Kata Heian Nidan bzw. Tekki Nidan. Jeder von uns konnte die Übungen vom Vortag weiter vertiefen und mithilfe der Körperstruktur weiter verbessern.


Am Nachmittag kamen unsere Bokutō und Sanjaku-Bō zum Einsatz. Wir erhielten spannende Einblicke in deren Handhabung. Dreitausend am Morgen und achttausend am Abend, so viele schafften wir natürlich nicht, aber wir haben ja auch keinen Blutseid geleistet ... Hier ging es darum, die Technik an sich zu verstehen, die korrekte Haltung von Bokutō und Sanjaku-Bō einzuüben und über den Tellerrand der eigenen Kampfkunst zu schauen. Auch einige diesbezügliche Partnerübungen nahmen wir uns vor.

 

Der Abend war dann der Theorie gewidmet: Ein Vortrag zu den technischen Bezeichnungen im Shōtōkan-Ryū beleuchtete u. a., wie unterschiedlich Terminologien im Chinesischen, Japanischen und Okinawanischen sein können. Und um dem Ideal von Schwert und Schreibpinsel näher zu kommen, durften wir für reichlich siebzig Schriftzeichen deren Namen und Übersetzung aufschreiben. Achtung: Wird beim nächsten Training abgefragt. ;)


Samstag, 26. Juli 2025: Focus on the good

Diese Aufforderung strahlte uns schon morgens auf rosarotem Untergrund entgegen. Der Anspruch für diesen Tag war also gesetzt. Wir trainierten noch einmal die Kata vom Vortag, verknüpft mit allen Punkten aus den vergangenen Vormittagseinheiten (Entspannung usw.) Bei den Partnerübungen versuchten wir zusätzlich das korrekte Timing einzubeziehen.

 

In der Mittagspause ging es sportlich zu mit einer Runde Beach-Volleyball und anschließendem Baden im See bei kühlen 21 Grad. Für Kopf und Muskeln war dies jedoch eine willkommene Erfrischung nach den intensiven körperlichen Ertüchtigungen.


Am Nachmittag setzten wir das Training fort und konzentrierten uns auf Nage-Waza – die Wurftechniken. In diesem Jahr hatten wir überraschenderweise wieder Zugang zu Matten, weshalb wir uns – im wahrsten Sinne des Wortes – mal wieder so richtig schön fallen lassen konnten. Besonders spannend war der praktische Bezug zur Theorie des Vorabends: Manch wirkungsvolle Wurftechnik wird mit einem besonders blumigen, metaphorischen Namen beschrieben, wie zum Beispiel „Das schöne Mädchen kämmt und putzt sich auf“. Die eigentliche Technik dahinter verstehen nur Eingeweihte. So konnten wir alle mal Mädchen spielen und uns freuen, wenn der Partner oder die Partnerin dabei gnadenlos zu Boden ging. Zum Abgleichen unserer Übungen nutzten wir historische Quellen wie Funakoshi Gichins „Karate-Dō Kyōhan“ und das „Bubishi“. Dies half uns, die Tradition und Überlieferung unseres Karates besser zu verstehen.


Am Samstagabend tauschten wir uns über unsere Erfahrungen mit Karate-Filmen aus. Filme wie „Karate Kid“, „Ong-Bak“ oder „Karate Tiger“ kennen viele von uns, doch welchen Einfluss diese Filme auf unser eigenes Karate haben, das galt es zu erörtern. Zudem nutzten wir den Abend, um neue Pläne für das Vereinsleben zu schmieden.

Sonntag, 27. Juli 2025: Abschluss und Heimreise

Am letzten Tag widmeten wir uns unseren Lieblings-Kata. Erneut lag der Fokus auf der Körperstruktur. Wir kneteten und dehnten unsere Körper noch einmal bis zum Letzten, auch wenn die Konzentration an der ein oder anderen Stelle vielleicht schon etwas nachließ.

 

Da das Wetter mitspielte, nutzten wir den Nachmittag, um Shūji no Kon und Kumibō auf dem Rasen zu üben. Dann war es auch schon wieder Zeit sich zu verabschieden und die Heimreise anzutreten.


Die vier Tage vergingen wie im Flug, aber ich denke, jeder von uns konnte mit neuen Erkenntnissen und Eindrücken und hoffentlich auch ein wenig Fortschritt nach Hause fahren. Es war wie immer ein lehrreiches und bereicherndes Wochenende, wofür ich allen Beteiligten und ganz besonders den Organisatoren danke. Ich freue mich schon auf das nächste Mal mit euch! (Antje)


Zur Karate-Fortbildung nach Frankreich

Vom 19. bis 23. März 2025 erhielten Antje und meine Wenigkeit die Möglichkeit, uns auf eine Fortbildungsreise nach Frankreich zu begeben und dort viele neue Einsichten in technische und organisatorische Aspekte des Karate zu erhalten. Dabei handelte es sich um keine spontane Eingebung, sondern vielmehr um ein lange im Voraus von unserem Vorstand geplantes Projekt. Denn obgleich unser Verein bereits seit dreiunddreißig Jahren erfolgreich in Niesky wirkt, möchten wir unser Wissen und Können dennoch ständig ausbauen, weswegen wir diese Weiterbildungsmaßname in die Wege leiteten. Dazu bewarben wir uns beim Programm „Erasmus+ Sport“ der Europäischen Union und traten nach dessen Unterstützungszusage mit einer passenden Partnerorganisation in Kontakt. Als solche stellte sich der Karate-Klub der Universität Reims in Frankreich zur Verfügung, der seinerseits auf fünfzig Jahre Erfahrung zurückgreifen kann.

Daraufhin galt es, gemeinsam mit unseren Gastgebern einen geeigneten Zeitraum zu finden sowie ein konkretes und sinnvolles Programm für unser Vorhaben zu erstellen. Nachdem alle technischen und logistischen Vorbereitungen abgeschlossen waren, fiel der Startschuss: Wir brachen nach Reims auf, wo wir nach langer und – bis auf die Nahrungsbeschaffung – problemfreier Anreise, herzlich von unseren französischen Mentoren in Empfang genommen wurden. Noch am selben Abend besprachen wir vor Ort den weiteren Ablauf und begannen mit den ersten Karate-Fachsimpeleien.

In Reims sollten uns Gelegenheiten geschaffen werden, vielerlei Einblicke in die Organisation, die Herangehensweise an die Karate-Übung und das Training selbst unserer französischen Partner zu gewinnen. So wurden uns beispielsweise am Donnerstagvormittag – sehr zu meiner Freude – digital aufgezeichnete Lehrproben aus mehreren Jahrzehnten und ihre mögliche Verwertung in künftigen Trainingseinheiten vorgestellt. Allein für diesen Programmpunkt hätte ich gerne noch ein oder zwei Tage mehr zur Verfügung gehabt. Außerdem besuchten wir eine beeindruckende, u. a. auch mit festinstallierten Trampolinen ausgestattete Sportgeräteanlage in einem öffentlichen Park in Reims oder diskutierten über Herausforderungen der Mitgliedergewinnung.

Doch der Höhepunkt war ein dreitägiger Lehrgang, für den knapp hundert Teilnehmer aus Frankreich, Finnland, Estland, Holland, Belgien, Spanien oder auch Großbritannien in der Champagne zusammenkamen. Ein solch hohes Aufkommen an ehrenamtlichen Übungsleitern aus vielen Teilen Europas bot viele Möglichkeiten des Erfahrungsaustauschs und des Dazulernens.

 

Thematisiert wurden beim Lehrgang Fragen des Timings im Karate, aber auch Fehlererkennung und -vermeidung sowie Varianten bestimmter Übungsformen. Mit wechselnden Trainingspartnern versuchten wir durchgängig all jene Punkte praktisch umzusetzen, was den Schweiß fließen und auch den ein oder anderen blauen Fleck sprießen ließ. Insgesamt, da sind sich Antje und ich einig, waren die vier Einheiten des Lehrgangs überaus aufschlussreich, zumal wir hier gebündelt Ansichten von erfahrenen Übungsleitern aus verschiedenen Teilen Europas kennenlernen und mit den unseren vergleichen konnten.

Sonntagmittag hieß es für uns dann Abschied nehmen und die lange Heimreise antreten – C’est la Vie. Zurück in Niesky wird es nun darum gehen, all die vielschichtigen Erkenntnisse gewinnbringend in unsere Vereinsarbeit in Niesky einfließen zu lassen. Schließlich noch ein dickes Dankeschön an Erasmus+ Sport für die freundliche Förderung und an all jene, die dieses Vorhaben mit Rat und Tat unterstützten und unterstützen. (Henning)


Unser Stocklehrgang mit Henning Wittwer 2025

Das Jahr ist noch frisch, die Knospen noch nicht ausgetrieben. Während die ganze Welt am 8. März den internationalen Frauentag feiert, begeht unsere Große Kreisstadt Niesky feierlich ein weiteres, jährlich wiederkehrendes und freudiges Ereignis – unseren Stocklehrgang 2025. Und zu diesem zu erscheinen, ließen es sich interessierte Teilnehmer aus Sachsen, Brandenburg und Thüringen, bis hin aus dem Süden und Südwesten der Republik, nicht nehmen, und steuerten unsere Turnhalle der Oberschule Niesky an, um sich halbwegs pünktlich ab um 9 Uhr morgens unter Hennings Leitung dem bewaffneten Training mit dem Stock zu widmen. 

Getreu Gichin Funakoshis Lehre „Karate ist das Mark der Kampfkunst“, standen insgesamt vier Übungseinheiten für das Erlernen und Vertiefen von zwei Kata zur Verfügung. Dazu wurden die stockschwingenden Karateka in zwei Gruppen aufgeteilt. Die grundlegende Shūji no Kon als wichtigste Stock-Kata war dabei der Schwerpunkt in Gruppe A. Für Gruppe B stand in diesem Jahr eine Messeneuheit an, denn die Teilnehmer erlernten neben Shūji no Kon, Sakugawa no Kon und Matsukaze no Kon erstmalig den Ablauf der vierten Shōōkan-Bō-Kata – der Shirotaru no Kon.

Eine Kata, so lang und umfangreich, voller neuartiger und in den anderen drei Bō-Kata nicht vorkommenden Bewegungen, sodass im Gruppe B Teil der Halle schon bald große Rauchschwaden über den Köpfen der Teilnehmer emporstiegen, diese aber bald erkannten, dass die neuen Bewegungen nicht nur eine sinnvolle Ergänzung zu bisher bekannten Gesten sind, sondern sich glücklicherweise auch zu wiederholen vermögen. Nun ja, zumindest bis zum letzten Teil der Kata, denn dieser, bis hin zur abschließenden Geste unterscheidet sich, wenn auch in ziemlich beeindruckender Weise vom bisher geübten. Trotz der Länge der Shirotaru no Kon gab es einige Partnerübungen zur Anwendung der in der Kata vorkommenden Bewegungen, auch die Shūji-Gruppe vertiefte die Gesten im Kumibō. Teilweise konnten dabei die Gruppen durchmischt werden, sodass wir auch alle gemeinsam einmal im Training zusammenkamen.

Henning rief uns zu geeigneten Zeiten ebenfalls zur Tafel und erklärte uns u. a. die Geschichte der beiden Kata, den Zusammenhang zwischen „leerer Hand“ oder unbewaffnetem Training zur Übung mit Waffen wie unserem Kampfstock, aber auch, wie das Lehrgebäude des historischen Shōtōkan zusammengesetzt war und welchen Teil die Stock-Kata dort wohl eingenommen haben mussten. Die Fülle an historischen Bildern zum Thema Bewaffnung und Kampfkunst war in diesem Jahr besonders eindrucksvoll. Bei all dieser erwähnten bebilderten Fülle existiert bislang allerdings noch kein Bild von Chinen Sanrā, „dem Großvater aus Yamannī“, und dem Mann, der als Ausgangspunkt der Übertragungslinie der Shōtōkan-Bō-Kata gilt. Zu seiner Person sind bislang, wenn, dann nur falsche Bilder im Umlauf. Wir geben aber die Hoffnung nicht auf, dass irgendwann ein richtiges Gesicht zu seiner Person unsere Lehrgangswand und das Internet schmücken kann, um dem Verbreiten von falschen Bildern zu seiner Person entgegenzuwirken.

Die verdiente Mittagspause am Sonnabend nutzten wir nicht nur zur Nährstoffaufnahme, sondern auch, um im nächstgelegenen Sandkasten das in der Shirotaru no Kon vorkommende Suna-Kake, das Sand (in die Augen) streuen zu üben. Und, Karate war auch in abendlicher Runde bei Pizza und Snacks ein gern geteiltes Gesprächsthema. Den Rachen durchfeuchteten regionale Getränke, stilles Wasser und gesunde Ganzfruchtgetränke. Danke an alle, die hier beigesteuert haben.

Am 9. März endete um 12 Uhr schließlich die letzte Übungseinheit, besonders aber Teile der Shirotaru-Gruppe festigte anschließend noch für ein paar Minuten den Ablauf der Kata, der erst beim nächsten Niesky-Besuch überprüft werden kann. Die bis zu fünfzehn Lehrgangsteilnehmer verabschiedeten sich anschließend motiviert und mit neuem Karate-Wissen im Gepäck in Richtung ihrer Heimat. Danke für die Teilnahme an unsere Nippon-Niesky Mitglieder, die aus nah und fern anreisten. Danke aber auch nach Seifhennersdorf, Dippoldiswalde, Ilmenau, Erlangen und Heidelberg für die teils weite Fahrt quer durch die Republik und das Interesse am Lehrgang. Danke an alle Helfer, und Danke an Henning für den granatenstarken Lehrgangsinhalt. (Rico)